Mogelpackung Work-Life Balance

Balance zwischen Arbeit und Leben? Enthält dies nicht bereits die Resignation, dass Arbeit nicht lebenswert sein kann? In der Freizeit Mensch und bei der Arbeit Maschine? Das Dortmunder MID geht andere Wege.

Zunächst mal möchte ich klar stellen, dass ich viele Unternehmer, Manager und Berater kenne, die mit positiver Absicht und auch teilweise mit positiver Wirkung das Thema erfolgreich vorangetrieben haben. Trotzdem, Work-Life Balance ist Out und war vielleicht nie wirklich in.

Mein Kopfkino: Ein Arbeiter kommt zur Arbeit und fragt den Pförtner: „Kann ich hier mein Leben abgeben? Ich hole es in 8 bis 10h wieder ab“.  Was wäre der Mensch denn während der Arbeitszeit? Eine Maschine?

Würde der Ansatz nicht den Schleifern und „Menschenauspresser“  in die Hände spielen? Während der Arbeit Menschlichkeit ausblenden und den Mitarbeitern abends etwas Geld geben, dass sie etwas für die Regenerierung tun. Sich auf die Schulter klopfen und am nächsten Morgen wieder alle Leistungen aus den Mitarbeitern rauspressen?

Natürlich ist dies mit Work-Life Balance nicht bezweckt. Es kann ja auch nicht funktionieren. Menschen sind eben Menschen und keine Maschinen. Unternehmen müssen eben auch den Prozess der Arbeit so gestalten lassen, dass sich der Mensch als Mensch fühlt. In seiner Authentizität bewahrt und mit seinen Potentialen gewertschätzt. Arbeit darf eben auch nicht so wirken, dass der Mensch kraftlos nach Hause geht.

Der richtige Begriff der Zukunft ist Work-Life Blending. Eben die Aufhebung der Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Diese Forderung gab es bereits in dem Bericht an den Club of Rome „No Limits to Learning – Bridging the Human Gap“ aus dem Jahre 1979, in einer deutschen Übersetzung „Das menschliche Dilemma“.

Work-Life Balance ist allenfalls eine Lösung, das falsche weniger falsch zu machen. Der nächste Schritt wäre eine Zwangspause der Kommunikation über den Firmen-Server, wie es ja zur Zeit von einigen Politikern geplant ist. Übrigens auch mit positiver Absicht. Hier nun wieder höre ich den Aufschrei der Generationen Z und Y, die es wohl für angenehm empfinden, rund um die Uhr sich vernetzen zu können.

Die Neue Qualität der Arbeit bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung des Mitarbeiters als Mensch unter Einbeziehung der Familie. Die strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit steht sowohl den Wünschen der Menschen als auch den Unternehmensinteressen im Wege.

Wir benötigen ein Neues Denken in der Personalführung und der Arbeitsorganisation. Rahmenbedingungen, in denen der Mitarbeiter soweit wie möglich im Flow arbeiten kann. Im Flow ist er weder über- noch unterfordert. Dies bedarf aber wiederum einiger persönlicher Kompetenzen, die zukünftig in jedes Personalentwicklungsprogramm gehören. Dazu gehört die persönliche Resilienz jedes Mitarbeiters. Dies ist die Fähigkeit sich selbst spüren und einschätzen zu können, wie man seinen Arbeitsalltag am besten gestaltet und negative Wirkungen vermeidet. Führungskräfte benötigen Achtsamkeit und Empathie, um diesen Prozess zu unterstützen und die Arbeitsorganisation und Arbeitszeit soweit möglich danach zu entwickeln. Letztendlich sollten sich weder während der Arbeitszeit noch in der Freizeit sich nachhaltig energetische Defizite entwickeln, die höchstwahrscheinlich in den Burn Out münden.

Work-Life Balance hat die negative Entwicklung bei den Fehltagen aufgrund psychischer Belastungen nicht wirklich stoppen können. Führung und Management sind aufgefordert, das Arbeitsleben menschlich zu gestalten. Der Unternehmenswert der Zukunft definiert sich über das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Dies ist insbesondere wichtig, da sich der Arbeitsmarkt zu einem Arbeitnehmermarkt entwickeln wird. Der Kampf um Fachkräfte hat begonnen. Die Neue Qualität der Arbeit ist der Weg, ihn zu gewinnen.

Als autorisierter Berater im Modellprogramm UnternehmensWert Mensch freue ich mich, diesen Wandel mitgestalten zu dürfen. Der Mensch hat das Recht sich 24h am Tag als Mensch fühlen zu dürfen. So spart er sich den Halt beim Pförtner oder nutzt ihn zu einem kleinen Gespräch.

 

Rainer Weichbrodt

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